Manifest für guten Journalismus

Das verimedia-Manifest (Entwurf)

Guter Journalismus bedeutet mehr als über Ereignisse zu berichten, besonders wenn es um politische, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Themen geht. Die Empfängerinnen und Empfänger einer Nachricht haben keinen Nutzen, wenn diese ohne Quellen- und Faktenprüfung, ohne das Aufzeigen von Zusammenhängen und Einschätzung der Relevanz einer Nachricht, und ohne kritische Überprüfung von Aussagen und Eigeninteressen des Absenders vermittelt wird. Diese Aspekte werden vom verimedia-Manifest abgedeckt.

  1. Nachprüfbare Korrektheit von Fakten
    • Benennung und Identifikation aller relevanten Quellen. Ausnahmen existieren für anonyme Quellen, die geschützt werden müssen (siehe nachstehend unter "Anonyme Quellen");
    • Referenzierung der Quellen auf eine solche Art, dass Leserinnen und Leser diese ohne nennenswerten Aufwand selber wiederfinden und überprüfen können;
    • Überprüfung der Kernelemente einer Aussage mit zusätzlichen Quellen, inklusive, wo immer möglich, einer Plausibilitätsprüfung;
    • Klare, identifizierbare Trennung von Meinung und Fakten.
  2. Herstellung des relevanten Kontextes
    • Kernaussagen und Daten werden mit aktuellen und historischen Elementen in Verbindung gebracht, um deren Relevanz zu erklären;
    • Potentielle Konsequenzen werden erklärt;
    • Relevante widersprechende Fakten oder Aussagen werden zitiert.

Nachfolgend einige Beispiele für die konkrete Umsetzung der obigen Prinzipien:

  • Namen und Rollen von Personen werden so beschrieben, dass diese identifizierbar werden (Ausnahmen: siehe unten*);
  • Nennung von Autoren, Institutionen und Publikationen bei wissenschaftlichen Artikeln, mit Links;
  • Wenn Pressemitteilungen als Grundlage einer Nachricht dienen, wird dies dem Leser verdeutlicht;
  • Nachrichten von Presseagenturen sind entweder voll zu verifizieren oder klar als "nicht verifiziert" zu kennzeichnen;
  • Alle Datenquellen werden angegeben und, wenn möglich, verlinkt;
  • Die Aussagen der Originalquelle werden akkurat wiedergegeben, zum Beispiel:
    • werden Graphiken nicht durch suggestive Auswahl von Zeitrahmen und Skala verzerrt dargestellt;
    • keine Zitate außerhalb ihres Kontextes verwendet;
  • Aktuelle Handlungen (z.B. Skandale, Aussagen) werden in den Zusammenhang mit ähnlichen Handlungen anderer, vergleichbarer Akteure zu einem früheren Zeitpunkt gestellt (zum Beispiel zur Beantwortung der Frage: "Wie normal ist dieses Verhalten?")
  • Für wissenschaftliche Ergebnisse und neue Produkte werden Relevanz, echter Neuigkeitswert und widersprechende Fakten erwähnt;
  • Für alle Inhalte werden die Relevanz und mögliche negative oder positive Konsequenzen für die Empfänger beleuchtet.

Spezialfälle

  1. Anonyme Quellen*

Obschon es in gewissen Fällen, gerade für investigativen Journalismus, unvermeidbar und wichtig ist, anonyme Quellen verwenden zu können, ist hier besondere Vorsicht angebracht. Dies erfordert die Einhaltung der folgenden Regeln:

  • Schon die Schlagzeile und der erste Absatz identifizieren die Art der Mitteilung als nicht verifizierbar (z.B. durch Nutzung der Begriffe "Gerücht", "angeblich", "soll" oder "laut anonymen Quellen")
  • Die Seniorität und Rolle anonymer Quellen werden soweit wie möglich über öffentlich zugängliche Quellen verifiziert;
  • Fakten werden über Drittquellen oder von der Quelle bereitgestellte originale Dokumente verifiziert (einschließlich Prüfung auf Fälschungen);
  • Die Glaubwürdigkeit einer Quelle wird, wo immer möglich, über vergangene Erfahrungen plausibilisiert (im Artikel zu erwähnen);
  • Die Korrektheit/Plausibilität von Kernaussagen werden über weitere, im Idealfall zitierbare Quellen überprüft;
  • Den Hauptbetroffenen der Berichterstattung wird, wo immer möglich, eine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.
  1. Portraits/Essays/Kommentare

Selbstverständlich besteht für derartige Inhalte mehr Freiraum. Wir denken dennoch, dass die vorstehend definierten Prinzipien weiterhin relevant sind, speziell wenn es darum geht, die Quellen zu validieren und damit den Hintergrund der präsentierten Meinung offen und transparent zu präsentieren.

Helfen Sie mit, das Manifest zu verbessern

Dieser erste Entwurf des Manifests ist selbstverständlich noch nicht perfekt. Bitte helfen Sie mit, indem Sie mögliche Probleme identifizieren und uns Verbesserungsvorschläge senden. Je mehr Leute sich daran beteiligen, umso besser wird verimedia.

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German
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